Ich wollte »Romy Schneider – Ich bin nicht mehr Sissi« von Stéphane Betbeder & Remi Torregrossa unbedingt lesen, weil ich schon viele Filme mit Romy Schneider gesehen habe und ihre Ausstrahlung mich jedes Mal aufs Neue fasziniert. Schon lange interessiert mich, wie sie jenseits der Kamera lebte, und deshalb war ich gespannt darauf, wie ihr bewegtes Leben in einem grafischen Format umgesetzt wird.

Für alle, die Romy Schneider nicht kennen: Sie war eine deutsch-französische Schauspielerin, die in den 1950er‑Jahren durch die „Sissi“-Filme berühmt wurde, später jedoch viel reifere und anspruchsvollere Rollen suchte. Ihr Leben war geprägt von Erfolgen, aber auch von großem Druck, persönlichen Brüchen und dem ständigen Versuch, sich von dem Bild der süßen Kaiserin zu lösen. Genau diese Mischung aus Schönheit, Talent und Tragik hat mich neugierig gemacht, und deshalb wollte ich unbedingt erfahren, wie die Graphic Novel diese vielschichtige Frau porträtiert.

Erzählweise und Struktur

Die Graphic Novel wählt eine Erzählstruktur, die ich als überraschend dynamisch erlebt habe, weil sie viele Zeitebenen miteinander verwebt. Szenen wechseln schnell zwischen jugendlicher Leichtigkeit und erwachsenem Druck, und gerade dieser Kontrast verstärkt die emotionale Wirkung. Ich mochte besonders, wie dialogarme Momente genutzt werden, um Gedanken und Stimmungen zu transportieren, ohne dass es je still wirkt. Die Autoren setzen auf eine Art filmische Montage, die Romys Leben wie ein emotionaler Strom wirken lässt, und das passte für mich wunderbar zu ihrem bewegten Dasein. Immer wieder tauchen kleine Details auf, die sich erst später einfügen, wodurch ich mich wie in einem Mosaik bewegte. Diese Erzählweise lässt Raum zum Nachdenken, jedoch gleichzeitig genug Nähe, um nicht auf Distanz zu bleiben.

Das Artwork

Das Artwork hat mich sofort eingefangen, weil es Stimmungen nicht nur begleitet, sondern regelrecht ausbreitet. Die Farbpalette wechselt spürbar zwischen warmen und kalten Tönen, wodurch die emotionalen Wendungen im Verlauf der Geschichte stärker hervorsteigen. Besonders beeindruckt hat mich, wie Romys Mimik eingefangen wird, denn jede Regung wirkt bewusst gesetzt. Die Panels sind klar strukturiert, und doch bleibt genug Verspieltheit, um die Seiten lebendig zu machen. In einigen Sequenzen wirken die Bilder fast wie Erinnerungsfetzen, oder wie Filmstills, die man im Kopf festhalten möchte. Dadurch entsteht ein visueller Rhythmus, der mich mehr als einmal innehalten ließ, weil die Darstellung allein schon viel erzählte.

Die emotionale Wirkung

Beim Lesen spürte ich oft eine leise Schwere, denn die Graphic Novel zeigt Romys Verletzlichkeit mit viel Respekt. Sie behandelt schwierige Themen, ohne sie auszuschlachten, und bleibt dennoch schonungslos genug, um echte Betroffenheit auszulösen. Ich fühlte mich Romy sehr nah, weil die Darstellung viel Raum für Empathie lässt und zugleich zeigt, wie hoch der Druck auf ihr lastete. Besonders intensiv fand ich die Passagen, in denen ihr Wunsch nach Selbstbestimmung mit dem Bild kollidiert, das andere von ihr hatten. Diese Spannung zieht sich durch das ganze Buch, und sie macht es emotional reich wie auch manchmal schmerzhaft. Genau das macht für mich aber die Stärke der Graphic Novel aus.

Fazit

»Romy Schneider – Ich bin nicht mehr Sissi« von Stéphane Betbeder & Remi Torregrossa hat mir sehr gefallen, weil sie Romy Schneider weder glorifiziert noch reduziert. Sie erzählt von einer außergewöhnlichen Frau, die gleichzeitig stark und zerbrechlich war, und das in einer beeindruckend künstlerischen Form. Wer biografische Graphic Novels liebt oder sich für Filmgeschichte interessiert, wird hier viel finden. Aber auch Leserinnen und Leser, die emotionale, atmosphärische Geschichten schätzen, sollten unbedingt einen Blick hineinwerfen.

Bibliografie
Titel: Romy Schneider – Ich bin nicht mehr Sissi
Szenario: Stéphane Betbeder
Zeichnung: Remi Torregrossa
Verlag: Splitter
ISBN: 978-3-68950-127-3
Seiten: 160


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