Comic-Rezension: »Providence« von Alan Moore und Jacen Burrows

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Der erste Deluxe-Sammelband von »Providence« im Überformat beinhaltet zwei Teile von »The Courtyard«, vier Bände von »Neonomicon« und die ersten vier Kapitel von »Providence«. Jede Geschichte spielt zwar in einer anderen Zeit und dreht sich dementsprechend um andere Protagonisten, aber alle drei gehen auf Howard Phillips Lovecraft/H. P. Lovecraft (1890-1937) und seinen Cthulhu-Mythos ein. Auf diese Art und Weise setzt sich Alan Moore mit dem bekanntesten Mythos der Horror-Literatur auseinander. Die Zeichnungen dazu liefert Jacen Burrows.

Bevor man »Providence« liest, ist gut zu wissen, dass H. P. Lovecraft (im Folgenden: HPL) zu den bedeutendsten Autoren der Horror-Literatur zählt und der von ihm erfundene Cthulhu-Mythos, der verschiedene Personen, Orte, Wesen und Geschichten umfasst, immer noch aufgegriffen und thematisiert wird. Ein wichtiger Bestandteil dieses Mythos sind kosmische Wesen, die von HPL als die „Alten“ oder die „Großen Alten“ bezeichnet werden. Am besten sollte jeder selbst recherchieren, was es mit der Lovecraft’schen Mythologie auf sich hat, da sie sehr umfangreich ist.

Ich finde, es kann nicht schaden, Ahnung von HPL zu haben, da man ansonsten „nur Bahnhof versteht“, wenn man »Providence« liest. Zumindest war das bei mir der Fall. Nachdem ich den Comic beendet hatte, hatte ich ein riesiges Fragezeichen im Kopf. Erst als ich zu HPL recherchiert und »Providence« ein zweites Mal gelesen habe, erschien ein kleines Licht am Ende des Tunnels :-D. Warum nur ein kleines? Tja, weil eine Internet-Recherche meiner Meinung nach nicht viel bringt, wenn man sich nicht intensiv mit Lovecrafts Welt auseinandergesetzt hat. Ich finde, man muss einiges von HPL bereits gelesen haben, um alle Andeutungen, Verweise und Anmerkungen in »Providence« verstehen zu können.

Was hat es nun mit den bereits am Anfang erwähnten Geschichten »The Courtyard«, »Neonomicon« und »Providence« auf sich? Vor dem Hintergrund, dass ich vorher null Ahnung von Lovecraft hatte, war es für mich eine weitere Herausforderung, die drei Storys miteinander in Einklang zu bringen. Mir ist natürlich aufgefallen, dass es einen Zusammenhang gibt, aber wirklich in Tiefe vordringen, konnte ich erst, als ich mich über den Cthulhu-Mythos schlau gemacht habe. Wie zu Beginn bereits erwähnt, spielt jede Geschichte in einer anderen Zeit und im Mittelpunkt stehen andere Personen. Doch sowohl »The Courtyard«, »Neonomicon« als auch »Providence« haben mit Lovecrafts Cthulhu-Mythos zu tun. Während »The Courtyard« im Jahr 2004 spielt, als der FBI-Agent Aldo Sax einem mysteriösen Mann auf der Spur ist, ermitteln in »Neonomicon« die beiden FBI-Agenten Merril Brears und Gordon Lamper. In der titelgebenden Geschichte »Providence« geht es dagegen um den Journalisten Robert Black, der im Jahr 1919 eine okkulte Schrift sucht.

»Providence« ist in vielerlei Hinsicht keine leichte Kost. Zum einen liegt das daran, dass man sich mit HPL etwas auskennen sollte. Zum anderen werden in »Providence« Themen behandelt, die nicht für jedermann sind. Dies führt wiederum dazu, dass den Lesenden auch optisch einiges abverlangt wird. Das beste Beispiel ist hier der »Neonomicon«-Teil. Es ist also nicht verwunderlich, dass der Comic eine Leseempfehlung ab 18 Jahren enthält. Ich kann nur bestätigen, dass »Providence« nichts für schwache Nerven ist, denn einige Panels sind wirklich verstörend. Im Vergleich dazu ist »The Courtyard« etwas erträglicher, auch wenn hier ebenfalls Gewaltdarstellungen vorhanden sind. Der Schwerpunkt liegt hier vor allem auf Rassismus, was ebenfalls kein leichtes Thema ist. Der »Providence«-Teil bildet das Schlusslicht.

»Providence« ist ein Comic, den ich schwer beschreiben kann, da er mich schnell an meine Grenzen brachte. Und das meine ich nicht negativ, trotz der Brutalität und Grausamkeit, die hier zu sehen ist. Im Gegenteil: kein anderer Comic hat mich bisher so gefordert wie »Providence«. Ich finde es gut, dass man gewisses Wissen haben muss, um verstehen zu können, was man da liest. Und genau das macht »Providence« aus: Man kann sich mehrmals damit beschäftigen und es wird nie langweilig.

 

Fazit

Auch wenn mich »Providence« total überfordert hat, bin ich froh, dass ich auf diesen Comic gestoßen bin. Wer die Rädchen in seinem Hirn ins Rattern bringen will, sollte sich »Providence« nicht entgehen lassen. Macht euch allerdings auf etwas gefasst, denn Moores Werk ist nichts für schwache Nerven.

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Bibliografische Daten
Titel: Providence
Autor: Alan Moore
Zeichner: Jacen Burrows
Übersetzung: Gerlinde Althoff
Verlag: Panini
ISBN: 978-3-7416-2086-7
Seiten: 340
Genre: Horror, Mystery
Altersempfehlung: ab 18 Jahren
Zielgruppe: Erwachsene
Fortsetzung: Providence – Band 2

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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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