Rezension: »Meine dunkle Vanessa« von Kate Elizabeth Russell

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Kein Buch hat in letzter Zeit so viele Emotionen in mir hervorgerufen wie »Meine dunkle Vanessa« von Kate Elizabeth Russell. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn in dem Roman geht es um grooming und sexuellen Missbrauch. Und als ob das nicht schon unerträglich genug wäre, redet sich die missbrauchte Protagonistin ein, das, was ihr als 15-jähriges Mädchen passiert ist, sei kein Missbrauch, sondern Liebe gewesen.

Erzählt wird die Geschichte in zwei Zeitlinien, die sich ständig abwechseln. In der ersten Zeitlinie befinden wir uns in der Gegenwart, im Jahr 2017, als Protagonistin Vanessa Wye Anfang 30 ist. Hier zeigt die Autorin, was aus Vanessa wurde und wie die schrecklichen Ereignisse, die ihr als junges Mädchen passiert sind, ihr Leben geprägt haben. Die zweite Zeitlinie umschließt eine Zeitspanne vom Jahr 2000 bis 2007. Dies ist der Zeitraum, indem das Unheil seinen Lauf annimmt und wie Vanessa sich dadurch verändert. Beide Zeitlinien ermöglichen den Lesern und Leserinnen eine gute Gegenüberstellung von Gegenwart und Vergangenheit.

Der Schreibstil der Autorin ist derart authentisch, dass ich den Eindruck hatte, Vanessa sei eine reale Person. Der Text wühlt auf und sorgt für verschiedene Emotionen, sodass man nicht anders kann, als zu glauben, dass sie nur von jemanden stammen können, dem alles genauso in Wirklichkeit passiert ist. Ich konnte die Geschehnisse, die Vanessa passiert sind, nur mit Mühe ertragen, bei manchen Szenen kam mir die Galle hoch. Noch erschreckender ist aber die Tatsache, dass das, was Vanessa durchmachen muss, tagtäglich überall auf der Welt geschieht. Auch wenn die Thematik alles andere als einfach ist, konnte ich nicht aufhören, diesen Roman zu lesen. Ab und zu musste ich das Buch zwar zur Seite legen, um das Gelesene zu verdauen, aber es gab keine Stellen, die sich gezogen hätten oder sonst irgendwie fehl am Platz wären.

Besonders herausfordernd sind die Szenen mit Vanessa und Strane, weil Strane einfach abartig ist. Anders kann ich ihn nicht beschreiben. Er manipuliert Vanessa und treibt mit ihr seine Psychospielchen. Dabei handelt er stets kalkuliert und präzise. Es ist einfach unglaublich, wie er mehrere Jahre lang unbemerkt mit allem durchkommt. Vielleicht ist Strane aber auch ein Indiz dafür, dass der Gesellschaft vieles einfach egal ist. Es gibt einige Momente, in denen verschiedene Personen eine Gelegenheit hatten, etwas zu unternehmen, es aber doch nicht getan haben, aus welchen Gründen auch immer.

Auch wenn Vanessa die Leidtragende ist, ist es mit ihr etwas komplizierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Als sie das erste Mal Strane begegnet, hat Vanessa es nicht einfach. Sie hat keine Freunde, mit ihren Eltern scheint sie auch nicht gerade verbunden zu sein und sie ist sehr labil. Es dauert nicht lange, bis Strane das erkennt und es anschließend ausnutzt. Ab da ist Vanessa wie eine Fliege, die im Netz einer Spinne feststecken bleibt und nie wieder herauskommt. Ab hier wird es prekär, denn Vanessa erkennt nicht, in welcher Lage sie sich befindet und dass sie dringend Hilfe braucht. Im Gegenteil, sie redet sich ein, sie habe die Kontrolle über Strane und nicht umgekehrt. Manchmal verteidigt sie Strane sogar, was mir die Haare zu Berge stehen ließ.

Fazit

»Meine dunkle Vanessa« von Kate Elizabeth Russell zeigt auf schonungslose Art und Weise, dass man vor Menschen wie Strane, nirgendwo sicher sein kann. Auch wenn ich dieses Buch als lesenswert empfinde, sollte letztendlich jeder selbst entscheiden, ob er sich mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzen will, denn es erfordert starke Nerven.

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Bibliografische Daten
Originaltitel: My Dark Vanessa
Autorin: Kate Elizabeth Russell
Übersetzerin: Ulrike Thiesmeyer
Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 978-3-570-10427-9
Seiten: 448

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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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