Rezension: ‚Höllenjazz in New Orleans‘ von Ray Celestin

/ / Krimi, Rezension

 

Während der geheimnisvolle „Axeman“-Mörder um das Jahr 1919 in New Orleans sein Unwesen treibt, haben es drei Menschen besonders darauf angelegt, ihm das Handwerk zu legen. Detective Lieutenant Michael Talbot will seine Karriere retten und seinen Ruf wiederherstellen. Der ehemalige Polizist Luca D’Andrea, der seine fünfjährige Haftstrafe wegen Korruption abgesessen hat und nun auf freiem Fuß ist, handelt im Auftrag der Mafia. Und Ida, die Detektivin werden möchte und ständig unterschätzt wird. Auch wenn alle drei den Mörder aus unterschiedlichen Gründen verfolgen, so wollen sie im Grunde eigentlich nur das Eine, dass New Orleans wieder ein sicherer Ort wird. Wird es den drei gelingen, „Axeman“ zu fassen?

 

Meine Meinung

Mit seinem Debütroman ‚Höllenjazz in New Orleans‘, der eine Mischung aus realen Ereignissen und Fiktion darstellt, konnte der Autor Ray Celestin mich sofort von sich überzeugen. Die Verfolgungsjagd nach dem geheimnisvollen „Axeman“ macht ab der ersten Seite süchtig und lässt sehnsuchtsvoll auf den zweiten Teil, der erst im Frühjahr 2019 erscheint, warten.

Bevor ihr jedoch mit dem Lesen anfangt, würde ich euch empfehlen, das Glossar und die Karte von New Orleans, die sich am Ende des Buches befinden, anzuschauen bzw. durchzulesen. Die Karte war für mich sehr behilflich. Ich habe zwar schon von New Orleans gehört, war aber selbst noch nie da und hatte dementsprechend kein Bild von der Stadt vor Augen. Mithilfe der Karte konnte ich mir dann ungefähr vorstellen, wo sich die jeweiligen Handlungen im Buch abspielen. Ihr könnt aber auch einfach Google Maps aufrufen oder es ganz sein lassen, es bleibt jedem selbst überlassen. Ich bin nämlich ein Mensch, der immer alles genau mitverfolgen möchte, wenn es um einen realen Ort geht und der sich dann auch die Mühe macht, einen Stadtplan genauer anzuschauen. Das Glossar hat sich für mich ebenfalls als sehr hilfreich erwiesen, da es wichtige Fachbegriffe enthält, die ich zum Teil nie vorher gehört habe. Am Anfang des Buches befindet sich das Personenverzeichnis mit vielen verschiedenen Namen. Lasst euch aber von der langen Liste nicht abschrecken, weil es im Buch sowieso hauptsächlich um die drei Ermittler und den „Axeman“ geht.

Das Buchcover gefällt mir sehr gut, da hier verschiedene Aspekte des Buches wieder zu finden sind. Die Farben spiegeln die düstere Atmosphäre wider. Der Totenkopf ist stellvertretend für die Morde oder den Mörder, die im Buch vorkommen. Außerdem lässt sich der Bezug zum Jazz erkennen. Darüber hinaus ist die Gestaltung ironisch angehaucht, was die etwas absurde Situation zu der damaligen Zeit in New Orleans widerspiegelt. Während der „Axeman“ die Stadt unsicher macht, feiern die Menschen dort euphorisch die Musikrichtung Jazz.

Detective Lieutenant Michael Talbot ist dem „Axeman“ auf der Spur nicht nur, weil es sein Job ist, sondern weil er seinen Ruf wiederherstellen möchte. Seit Michael gegen seinen ehemaligen Mentor Luca D’Andrea ausgesagt hat und dafür gesorgt, dass er für fünf Jahre ins Gefängnis geht, ist Michael unter seinen Kollegen sehr unbeliebt. Auch bei der „Axeman“-Ermittlung kommt er schwer voran, was kein gutes Licht auf ihn wirft. Sein Privatleben macht ihm ebenfalls jeden Tag zu schaffen, weil er hier viel geheim halten muss. Zur Seite steht ihm der junge Polizist Kerry, der ihm hilft, „Axeman“ zu verfolgen. Aus meiner Sicht ist Michael ein mutiger Polizist, der sich nicht von seinen Zielen abbringen lässt. Er hat ein gutes Durchhaltevermögen und kann sich behaupten. Er ist aufrichtig und versucht, seinen Job so gut es geht zu machen, auch wenn ihm viele Steine in den Weg gelegt werden.

Der ehemalige Polizist und Michaels Mentor Luca D’Andrea ist im Rahmen eines Auftrags dem „Axeman“ ebenfalls dicht auf den Fersen. Der gebürtige Italiener möchte nach seinem Gefängnisaufenthalt eigentlich seine Ruhe haben und wieder von vorne anfangen. Dies gestaltet sich jedoch als schwierig, da er in Verbindung mit der örtlichen Mafia steht. Luca soll herausfinden, wer „Axeman“ in Wirklichkeit ist, damit die Bewohner von New Orleans nicht noch misstrauischer gegenüber den Italienern werden. Besonders gut gefällt mir an Luca, dass er sich ändern und sein altes Leben hinter sich lassen möchte, auch wenn der Ausstieg aus der Mafia sich als schwer erweist.

Zu guter Letzt ist da noch die junge Sekretärin Ida Davis, die in der Pinkerton Detektivagentur arbeitet und irgendwann selbst Detektivin werden will. Als ihr klar wird, dass ihr Chef sie nie mit einem großen Fall beauftragen wird, beschließt sie auf eigene Faust im „Axeman“-Fall zu ermitteln, weil sie hier ihre große Chance sieht. Aufgrund ihrer Hautfarbe und Geschlechts, nicht vergessen, wir befinden uns in den 1910er Jahren, hat es Ida sehr schwer in New Orleans. Sie will dennoch zeigen, dass sie es zu etwas bringen kann. Sie ist eine sehr aufgeweckte junge Frau, die von vielen unterschätzt wird. Hilfe bekommt sie von ihrem besten Freund Louis Armstrong, der grade dabei ist, seine Musikkarriere aufzubauen.

Celestin beschreibt in seinem Roman ein sehr düsteres New Orleans. Korruption, Mafia und zwielichtige Personen gehören hier zum Alltag. Der „Axeman“ hat unter den Bewohnern, die aus den verschiedensten Orten dieser Welt kommen, viel Misstrauen gesät. Die einzelnen Ethnien und Gruppen sind sehr feindselig und vertrauen nicht mal ihren Landsmännern. Armut setzt Mittellosen besonders zu und so führt oft ein Weg an der Kriminalität nicht vorbei.

Celestins Schreibstil sorgt dafür, dass man sich ein genaues Bild von der Stadt, wie sie zu damaliger Zeit war, machen kann, ohne jemals dort gewesen zu sein. Die detailreiche und genaue Beschreibung des Autors vermittelt dem Leser das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Außerdem erfährt man viel über die Geschichte und die Entstehung von New Orleans. Ebenfalls wird die Verbreitung von Jazz und den Beginn der Prohibition und deren Auswirkungen ausgiebig erläutert.

Auch wenn „Höllenjazz in New Orleans“ mit einer Buchlänge von 512 Seiten nicht grade kurz ist, so bleibt es doch die ganze Zeit spannend. Man begleitet die drei Figuren auf ihrer Verfolgungsjagd, während immer mehr interessante und verborgene Aspekte ans Licht kommen und man das Gefühl hat, kurz davor zu sein, „Axeman“ endlich zu erwischen.

 

Fazit

‚Höllenjazz in New Orleans‘ hat mir sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch nicht nur Jazz-Fans und Krimi-Liebhabern, sondern allen, die schon immer mehr über die Stadt New Orleans erfahren wollten. Die düstere und gleichzeitig spannende Atmosphäre lässt den Leser nicht mehr los. Fiktion und Wahrheit werden so gekonnt miteinander vermischt, dass man nicht weiß, was wahr ist und was nicht. Ich freue mich bereits auf die Fortsetzung, in der es unter anderem um Al Capone gehen wird und man mehr über die Stadt Chicago erfahren kann.

 

 

 

 

 

 

Vielen Dank an das vorablesen.de-Team und den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

 

 

Bibliografische Daten:
Titel: Höllenjazz in New Orleans
Originaltitel: The Axeman´s Jazz
Autor: Ray Celestin
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-06086-8
Seitenzahl: 512
Teil dieser Reihe: City Blues Quartett
Fortsetzung: Todes Blues in Chicago

 

Buch hier bestellen:

Verlag (Werbung)
Amazon* (Werbung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*Hierbei handelt es sich um einen Affiliate-Link von Amazon.de. Solltet ihr über diesen Link einen Kauf tätigen, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis des Produkts ändert sich für euch dadurch NICHT.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nachdem ‚One more Chance‘ von Vi Keeland bei mir einen guten Eindruck hinterlassen hat, wollte ich ein weiteres Buch von ihr lesen. Ich entschied mich für ‚Best Man‘, da ich die Leseprobe richtig toll fand. Meine Erwartungen an ‚Best Man‘ waren hoch, da ‚One more Chance‘ mich oft zum Lachen gebracht hat und die Protagonisten
Es war noch nicht lange her, da habe ich euch bereits zwei wunderschöne Schmuckausgaben aus dem Coppenrath-Verlag vorgestellt. Nun folgt die dritte Ausgabe und zu meiner großen Freude ist es ‚Sinn und Sinnlichkeit‘ von Jane Austen. Da Austen zu meinen Lieblingsautorinnen gehört und ich alle ihre Werke bereits gelesen habe, konnte ich es kaum erwarten,
Wie jedes andere Kind auch, hatte ich früher ebenfalls meinen Disney-Lieblingszeichentrickfilm, nämlich ‚Die Schöne und das Biest‘. Auch als Erwachsene schaue ich ihn mir ab und zu gerne an. Deshalb war es für mich eine schöne Überraschung, als ich erfahren habe, dass der Carlsen-Verlag ‚Das Biest in ihm‘ von Serena Valentino herausbringt, quasi ‚Die Schöne
OBEN